Auf Umwegen zum Ziel

Was ich erst alles erleben musste, um endlich die Botschaft zu verstehen, die mich wieder ins Leben zurückbrachte…

In dichtem Nebel durch unwegsames Gelände

Sommerbereift war mein Auto startklar für die Fahrt zu meiner Sonneninsel Sardinien. Die Nachricht, dass Ende März der Winter mit Schnee und Eis noch einmal nach Deutschland und Österreich zurückkehren würde, beschleunigte meinen Aufbruch in Richtung Italien. Statt – wie ursprünglich geplant - noch einen Zwischenstopp in Österreich einzulegen, fuhr ich an meinem ersten Reisetag gleich bis ins Trentino durch.

So hätte ich es fast geschafft, dem prognostizierten Wintereinbruch ein Schnippchen zu schlagen… Ja, du liest richtig, die Betonung liegt auf „fast“, denn dank eines „kleinen“ Umwegs über die Dolomiten, bin ich letztendlich mitten im Winter gelandet…

Keine Ahnung, wie ich es geschafft hatte, mein Navi so völlig falsch zu programmieren. Und keine Ahnung, wieso ich nicht angehalten und meine Navi-Programmierung noch einmal überprüft habe, als mir die Fahrtroute doch ziemlich spanisch vorkam…

Fakt ist, dass mir das Universum anscheinend noch einen ganz zauberhaften Ausflug mitten hinein in wunderschöne Natur schenken und mich wohl gleichzeitig einer Prüfung in Sachen Urvertrauen unterziehen wollte…

Die Tatsache, dass mich mein Weg eine steile, kurvenreiche Strecke bergauf führte und sich die Anzeige meines Außenthermometers innerhalb kurzer Zeit von +7 auf letztendlich -2° C veränderte, bereitete mir dann doch ein komisches Gefühl in der Magengegend. Auf diversen Schildern am Straßenrand stand immer wieder etwas von „Winterreifenpflicht“ und ich war hier so völlig inadäquat ausgerüstet unterwegs…

Aber es half nichts. Ich war schon mitten drin in einer Lebenssituation, die ich mir so überhaupt nicht gewünscht hatte und an der ich auf die Schnelle auch nichts ändern konnte. „Augen zu und durch!“, dachte ich mir. Jetzt in die Angst zu gehen und meine Energie mit der Frage zu verschwenden, wie DAS passieren konnte, definierte ich sofort als überhaupt nicht zielführend. Als mich dann weiter oben auf dem Berg plötzlich auch noch dichter Nebel umgab und mir klar wurde, dass mich auch das Tageslicht nicht mehr lange begleiten würde, war ich noch mal kurz geneigt, in Panik zu verfallen. Doch ich nahm mich zusammen und beschloss, dass die einzig sinnvolle Lösung dieser Situation war, vollkommen ins Vertrauen zu gehen. Mich fallen zu lassen, alle Ängste und Zweifel und blockierenden Energien loszulassen, mich nur auf das Fahren und meinen Weg zu konzentrieren und darauf zu vertrauen, dass ich heil und unbeschadet aus dieser Situation herauskommen würde. Gesagt, getan… - und es geschah genau SO, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich kam aufgrund meines langen Umwegs zwar ziemlich verspätet und dementsprechend erschöpft, aber doch wohlbehalten und durchflutet von großer Dankbarkeit an meinem Tagesziel an.

Welche Botschaft für mich steckte nun in diesem Erlebnis? Stand die lange Fahrt durch unwegsames Gelände und durch zum Teil dichten Nebel sinnbildlich für meinen Lebensweg, der ja auch lange Zeit ziemlich holprig und undurchsichtig war?

Für mich war diese Geschichte, so bizarr ich sie auch empfunden hatte, der Anstoß dazu gewesen, die schwere Bürde, die ich trug, in der Meinung alles alleine schultern zu müssen, endgültig aufzulösen. Ich spürte, da war eine Energie, die mich auffing, die mich leitete, die mich trug – wenn ich es zuließ… Und plötzlich fühlte ich mich nicht mehr mutterseelenallein auf verlorenem Posten und wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfend, sondern gut geführt, gestärkt und in einer noch nie zuvor erlebten Leichtigkeit. Schlagartig wusste ich auch: ich bin auf dem richtigen Weg. Alles darf sein! Auch das Gefühl, dass mein Leben im Moment ein einziges Chaos ist, dass ich keine äußere Struktur mehr habe.

Rückblickend habe ich erkannt, dass mir diese Tatsache schon lange zugesetzt hatte. Dass ich mich unzulänglich und unserer Gesellschaft nicht mehr zugehörig gefühlt hatte, es gleichzeitig aber nicht fertiggebracht hatte, in die alten Lebensmuster zurückzugehen, die mich wieder zu einem vollwertigen und akzeptierten Gesellschaftsmitglied gemacht hätten…

Und genau dieser für mich nicht lösbare Konflikt gepaart mit dem Gefühl, nicht SO leben zu dürfen wie ich aktuell lebte, irgendwie ein Alien zu sein, hat mich jahrelang blockiert und mich richtiggehend vom Leben abgeschnitten.

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Selbstfindung auf Sardinien

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Auf zu neuen Ufern